Freitag, 20. Oktober 2017

Überraschend schnelle Rückkehr der Schäferin


Heimat und Identität. Diese zwei Begriffe beschäftigten meine Gedanken
beim Abendspaziergang durch die menschenleeren Gassen von Carima Stadt
am gestrigen Donnerstag.
In der Höhe der Taverne aber stockte ich, schaute zweimal auf die
Frau die plötzlich vor mir stand, erkannte sie dann und rief freudig aus.

" Mute ! ... aah das ging ja schneller als erwartet, dass ihr wieder zurück
seid."
Fast war ich versucht sie herzlich zu umarmen, aber das wäre nicht standesgemäss gewesen.

"Ja der Weg von den Sommerweiden zurück nach Carima war doch nicht so beschwerlich wie zunächst angenommen."

, erwiderte sie zurückhaltend und beinah schüchtern, da sie von meiner Freude
bestimmt überrascht war.

" Kommt lasst uns hier einkehren ihr seid sicher hungrig ... und ich bin neugierig, ihr müsst mir erzählen wie es euch ergangen ist in all den Monaten da oben in den Bergen. Ihr seid eingeladen kommt setzt euch."

Der Wirt war zwar etwas mürrisch, da er nicht mehr mit Gästen gerechnet hatte und schon schliessen wollte, aber er tischte dennoch schnell einige rustikale Platten mit Wurst, kaltem Braten und Käse auf.

Mute langte kräftig zu und begann noch während sie kaute zu erzählen:

" Sir Lennard , etwas merkwürdiges hab ich erlebt ... das müsst ihr hören ..."

sie spülte schnell mit Wein ihren Mund leer und fuhr fort.

" Ihr kennt doch sicher die alte Bergsiedlung oben in Carima Magic ...."

Weiter kam sie jedoch nicht mehr, denn plötzlich tauchten die Komandantin Anna
und auch die Jungfer Blue auf. Es gab erst mal ein grosses Hallo und eine herzliche Begrüssung.
Dann, als ob es einen gut funktionierenden Nachrichtendienst gäbe, der die
Ankunft der Schäferin brandeilig verbreitete, kamen auch noch Ela die Bäuerin, Luba die Leuchtturmwärterin und sogar die Herzogin persönlich hinzu.

Der Abend gehörte nun den Ladies, die sich einiges zu erzählen hatten.
Ich war nur noch Zaungast, gefiel mir aber in dieser Rolle, da ich der einzige Mann in der Runde war, ' Ruster in basket ' wie die Engländer sagen ;)
Die Geschichte die Mute angedeutet hatte geriet vorerst in Vergessenheit, doch ich werde sie nochmal darauf ansprechen um mehr zu erfahren.
Die Ladies waren wirklich sehr lustig und eine witzige Anekdote folgte auf die andere.
Erst zu Beginn der zehnten Stunde war dann allgemeiner Aufbruch.

Bevor die Herzogin sich verabschiedete, nahm sie mich noch
einen Moment beiseite, drückte mir eine Papierolle
in die Hand und sagte:

" Schaut euch das mal an und sagt mir ob ihr was damit
anfangen könnt."

Ich rollte das Papier auf und blickte auf zwei bis vierstellige
Zahlenreihen die durch Kommata getrennt waren und das Blatt
von oben bis unten füllten.

" .. weder Heinrich noch Primus können mir sagen was es damit auf sich hat."

fuhr sie fort, senkte dann ihre Stimme und flüsterte :

"...aber es muss wichtig sein und in Zusammenhang mit ...
Gold und Juwelen stehen ... und Königin Linde. "

Sie packte mich kurz am Arm.

 " Ich erwarte euch am Samstag in der Bibliothek
dann werden wir alles besprechen."

Sie lächelte mich an und es schien als wolle sie gehen.

" Ach und noch etwas mein lieber Schwager ..."

Sie wendete sich wieder um, machte eine Schritt
auf mich zu und begann mit ausgestrecktem Zeigefinger
wie ein Specht, stakkatoartig auf mein Brustbein
zu hämmern.

".... Seht... bitte... zu..... , dass ihr euer Eheleben mit
meiner Schwester wieder in Ordnung bringt !!
und hört auf mit den unverheirateten Damen
unserer Einwohnerschaft ... so impertinent ..
herum zu flirten ..... Prinz Lennard !! "

Ihre Stimme wurde fast eisig und bedrohlich
bei den letzten Worten dieses Satzes.
Energisch drehte sie sich dann weg und stapfte davon.
Hielt abermals an, drehte nur leicht ihren Kopf über die Schulter
und fügte hinzu.

"Ich werde es nicht dulden, dass ihr
das Ansehen des königlichen Hofes
der Lächerlichkeit preis gebt."

Während dieser ganzen Aktion, stand ich wie
paralysiert und schaute sie verblüfft an, musste
danach kräftig schlucken und stammelte dann.

 "Aber .. gewiss ... gewiss doch ... liebe Schwägerin."

Ich glaube jedoch nicht, dass sie das noch gehört hatte,
denn sie war schon fast aus meinem Blickfeld
verschwunden.

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